Antifa Neukölln

letzte Aktualisierung: 21.03. | News, Chronik

Berlin, 16.11.2008

PRESSEMITTEILUNG: Pressemitteilung zu den Protesten gegen das diesjährige
„Heldengedenken“ am Columbiadamm


Am frühen Sonntagmorgen protestierten ca. 80 Antifaschist/-innen gegen das
sogenannte „Heldengedenken“ auf dem Garnisonsfriedhof am Columbiadamm.
Jährlich treffen sich dort am Volkstrauertag Bundeswehr- und ehemalige
Wehrmachtsangehörige, soldatische Traditionsverbände, Burschenschaftler,
rechtskonservative Politiker sowie alte und neue Nazis.

Auch in diesem Jahr legten die DVU und die NPD Kränze auf der
Veranstaltung nieder, ohne dass sich daran einer der 40 Teilnehmer gestört
gefühlt hätte. In ihren Reden betonten die Ewiggestrigen sogar, dass es
ihnen egal sei, was ihre Teilnehmer „an allen anderen Tagen im Jahr“
machen und wetterten stattdessen in Hassreden gegen Medien, Staat und
„Post-Kommunisten“. In dieser Zusammenkunft fühlten sich die
Rechtsextremisten der DVU, u.A. Thorsten Meyer (Berliner Landesvorsitzende
und BVV-Mitglied in Lichtenberg), Sigmar-Peter Schuldt (Mitglied im
brandenburgischen Landtag und brand. Landesvorsitzender) und Sascha Kari
offensichtlich wohl, störte sich doch niemand an ihrer Anwesenheit.

Lediglich von der antifaschistischen Gegenkundgebung schallte der Protest
unüberhörbar auch hinter die Friedhofsmauern und störte die Trauerfeier
erheblich.

Die Polizei hingegen bemühte sich, die rechte Veranstaltung nach Kräften
zu unterstützen. So musste die Gegenkundgebung mehrere hundert Meter
entfernt vom Haupteingang des Columbiadamms stattfinden und der
Lautsprecherwagen durfte nicht in Richtung der Trauerfeier abstrahlen.
Zudem nahm die Polizei zwei Kundgebungsteilnehmer kurzzeitig fest, nachdem
ein Neonazi sie ohne ersichtlichen Grund angezeigt hatte.

Abschließend fasste Tina Böhm, die Sprecherin des Antifaschistischen
Bündnis Süd-Ost (ABSO), die Bedeutung des Tages, wie folgt zusammen: "Das
Beklagen der Opfer aus den Reihen der Täter ist an dieser Stelle keine
humanistische Trauerarbeit, sondern der gezielte Versuch von Schuldabwehr.
Nicht ohne Grund beteiligen sich rechtsextreme Parteien an der
Veranstaltung.
Die Umkehrung der Täter-Opfer-Perspektive ist seit Jahrzehnten der
Nährboden rassistischer und antisemitischer Denk- und Handlungsweisen.
Dass die Täter des NS ungestört ihre Toten beklagen können, ist ein Schlag
ins Gesicht ihrer Millionen Opfer. Daher ist es unsere Pflicht den Opfern
des NS gegenüber, mit aller Deutlichkeit gegen das
geschichtsrevisionistische Gedankengut von alten und neuen Nazis
vorzugehen und so dem Erstarken rechtsextremer Ideologien in unserer
Gesellschaft entgegenzuwirken."